Dr. Horst Köhler

Bundespräsident a.D. Dr. Horst Köhler

Foto von Bundespräsident Dr. Horst Köhler (Lizenz: Creative Commons - Namensnennung: Roosewelt Pinheiro, bearbeitet)
Bundespräsident Dr. Horst Köhler bei einer Rede am 19. April 2005

Bundespräsident a.D. Horst Köhler ist seit langem ein großer Fürsprecher der Wirtschaftsweise Ehrbarer Kaufleute. Hier stellen wir zahlreiche Belege für sein Engagement vor

Das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns für verantwortungsbewusstes und nachhaltiges Wirtschaften ist seit Jahren ein bestimmender Bestandteil der Reden Horst Köhlers. Er betont stets wie wichtig Anstand im wirtschaftlichen Handeln für ein gesellschaftlich und kulturell entwickeltes Land ist. Er erkennt die große Bedeutung von Vorbildern für eine sozial ausgeglichene Gesellschaft und fordert die Annahme dieser Vorbildrolle explizit von den Unternehmern und Managern. Von der Eigenverantwortung über die Mitarbeiterverantwortung bis zur freiwilligen Stiftungstätigkeit der Unternehmer thematisiert er, immer auch auf anschauliche Art, die verschiedenen Wege als Unternehmer und Manager Verantwortung zu tragen. Er betont dabei auch immer die große Bedeutung dieses verantwortungsbewussten Verhaltens für die Soziale Marktwirtschaft und weist selbstbewusst den Weg hin zu einer künftigen Globalen Sozialen Marktwirtschaft.

Der Ehrbare Kaufmann und die Soziale Marktwirtschaft in den Reden Horst Köhlers:

„Die Glaubwürdigkeit der Freiheit“, Berliner Rede 2009

24. März 2009, Elisabethkirche, Berlin

„Denn Marktwirtschaft lebt vom Wettbewerb und von der Begrenzung wirtschaftlicher Macht. Sie lebt von Verantwortung und persönlicher Haftung für das eigene Tun; sie braucht Transparenz und Rechtstreue. Auf all das müssen die Menschen vertrauen können.

Dieses Vertrauen ist jetzt erschüttert. Den Finanzmärkten fehlte eine ordnende Kraft. Sie haben sich den Staaten entzogen. Die Krise zeigt uns: Schrankenlose Freiheit birgt Zerstörung. Der Markt braucht Regeln und Moral.

[…]

Deshalb: Gerade die Krise bestätigt den Wert der Sozialen Marktwirtschaft. Sie ist mehr als eine Wirtschaftsordnung. Sie ist eine Werteordnung. Sie vereinigt Freiheit und Verantwortung zum Nutzen aller. Gegen diese Kultur wurde verstoßen. Lassen Sie uns die kulturelle Leistung der Sozialen Marktwirtschaft neu entdecken. Es steht allen, insbesondere den Akteuren auf den Finanzmärkten, gut an, daraus auch Bescheidenheit abzuleiten und zu lernen.

Die Krise entfaltet aber auch schon ihr Gutes: Was zum Beispiel Barack Obama für die Wirtschaft und Gesellschaft der Vereinigten Staaten anstrebt, das ähnelt in Grundzügen unserem Modell der Sozialen Marktwirtschaft. Das zeigt auch: Die Deutschen haben etwas anzubieten beim Aufarbeiten der Krise.

[…]

Wir brauchen Ordnung in der Globalisierung, anerkannte Regeln und effektive Institutionen. Diese Ordnung muss dafür sorgen, dass globale öffentliche Güter wie internationale Finanzstabilität, Begrenzung der Erderwärmung und die Gewährleistung freien, fairen Handels gemeinsam definiert und bereitgestellt werden.

Es geht um unsere Verantwortung für globale Solidarität. Es geht um die unveräußerliche Würde aller Menschen. Es geht um eine Weltwirtschaft, in der Kapital den Menschen dient und nicht Herrscher über die Menschen werden kann.

[…]

Heute stellt die Welt uns die Globale Soziale Frage. Es ist unsere Pflicht, darauf Antworten zu finden. Es ist auch unsere große Chance. Zeigen wir: Der Norden lässt den Süden nicht im Stich. Die nötige Veränderung muss von überall her kommen.

Wir brauchen als Weltgemeinschaft ein gemeinsames, verbindendes Ethos. Wir müssen uns auf Werte verständigen, die wir alle teilen und deren Missachtung die Gemeinschaft nicht dulden wird. Das Grundprinzip lautet: Wir wollen andere in Zukunft nur so behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen.“

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"Lehren aus der Krise", Rede anlässlich der 465. Schaffermahlzeit

13.02.2009, Bremen

„Demokratie und Soziale Marktwirtschaft lassen sich nicht auf dem Verordnungsweg erzwingen. Sie leben von Anstand, Bürgersinn, sozialen Normen, Maß und sittlichem Empfinden. Je stärker diese Tugenden gelebt werden, desto weniger Kontrolle braucht man. Wo diese Tugenden hingegen fehlen, wo die Moral abhanden kommt, da gerät der freiheitliche Rechtsstaat in Gefahr: in die Gefahr, zur Beute der Gewissen- oder auch nur Gedankenlosen zu werden; in die Gefahr, seine Freiheitlichkeit zu verlieren. Der Rechtsstaat muss darauf vertrauen können, dass sich seine Bürger an die Gesetze halten - ja dass sie mehr tun, als die Gesetze von ihnen verlangen. Und der Markt wiederum ist auf die gleichen Bürgertugenden und auf einen stabilen Rechtsstaat angewiesen. Das ist der Grund, warum Markt auf Dauer ohne Moral nicht funktioniert. Freiheit muss sich in Verantwortung binden. Wenn die Finanzkrise dazu führt, dass das wieder allen bewusst wird, dann hätte die Krise etwas Gutes und Grundlegendes bestärkt.

Wie entsteht so etwas wie Bürgersinn? Ich glaube, man kann ihn nicht schaffen. Man kann ihn auch nicht verordnen. Man muss ihn leben. Dazu braucht es Vorbilder, die zum Nacheifern anregen und die durch ihr Handeln zeigen, dass der Ehrliche eben nicht der Dumme ist.

Meine Herren, Sie fahren auf den Weltmeeren und handeln mit Geschäftspartnern überall auf dem Globus. Kaum jemand erlebt und erfährt so unmittelbar wie Sie, wie wichtig Offenheit und der Welthandel für uns alle ist. Aufgaben der Politik habe ich benannt. Aber ich habe auch eine Bitte an Sie: Wuchern Sie mit Ihrer Sachkunde, nutzen Sie den freien Blick der Hanseaten. Beteiligen Sie sich an Diskussionen in Schulen und Hochschulen, in Ratssitzungen und Betriebsversammlungen, auf Parteitagen und Kirchentagen, und berichten Sie unseren Mitbürgern noch viel öfter und noch viel mehr als bisher von Ihrer Arbeit, von Ihren Erfahrungen und von anderen Kulturen. Berichten Sie von den Menschen aus aller Welt, die Sie kennengelernt haben, mit denen Sie kooperieren, und von den großen Chancen, die sich für Deutschland und Europa aufgetan haben und weiter abzeichnen. Bleiben Sie Botschafter der internationalen Zusammenarbeit und des internationalen Verständnisses.“

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"Kapitalismus mit menschlichem Antlitz", Deutschlands Aufgaben in der Finanzkrise

22.01.2009, Bild-Zeitung

„Und viertens braucht die Weltgemeinschaft eine Moral, die alle verbindet. Wir müssen lernen, mit anderen nur so umzugehen, wie wir selbst behandelt werden wollen. Egoismus im 21. Jahrhundert heißt, sich auch um die anderen zu kümmern. Es geht um eine Marktwirtschaft, die sich weltweit an Solidarität und Verantwortung bindet, ohne die Kraft von Markt und Preis und Wettbewerb auszuschalten. Es geht um einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz. Dazu kann unser Land einen guten Beitrag leisten.“

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"Finanzmärkte im Dienst der Menschheit", Rede bei der Eröffnung des "European Banking Congress" 2008

21.11.2008, Frankfurt/Main

„Europa hat sich in der Krise handlungsstark gezeigt. Das europäische Modell von Freiheit, die sich an sozialen Ausgleich bindet, trägt Hoffnung in die Welt. Die Soziale Marktwirtschaft kann jetzt international den Durchbruch schaffen. Wir haben die Chance, eine Globalisierung zu gestalten, die allen zugute kommt. Und das muss das Ziel sein.

[...]

„Gesellschaftlicher Zusammenhalt lässt sich nicht wirksam nur von denen organisieren, die ausschließlich an das Gute im Menschen glauben. Wir brauchen auch die Harten, die Ehrgeizigen und die Durchsetzungsfähigen, und wir müssen sie motivieren können. Aber wir brauchen bei aller Schärfe des Wettbewerbes eine Kultur der Gemeinsamkeit. Eine Kultur der Gemeinsamkeit, der alle angehören. Und wir brauchen schlicht Anstand."

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"Verantwortung und Eigensinn", Festrede anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

27.06.2008, München

„Wer stiftet, will Bleibendes schaffen und denkt über die eigene Lebensspanne hinaus. Wer stiftet, möchte bestimmen, für welchen Zweck sein Kapital verwendet wird - das zeugt von konstruktivem Eigensinn. Und wer stiftet, fühlt Verantwortung und möchte so in Erinnerung bleiben. Alles das ist Ausdruck einer Haltung, die wir auch von Eigentümern von Unternehmen kennen oder von Familien, die es sich zur Aufgabe machen, über den eigenen Lebenskreis hinaus schöpferisch und kultivierend zu wirken.

[…]

Unsere freiheitliche Gesellschaft braucht ihre Stifter, nicht als Repräsentanten einer exklusiven Kultur, sondern als verantwortungsvolle und gemeinwohlorientierte Anstifter und nicht zuletzt als Vorbilder in der Öffentlichkeit.

[…]

Nachhaltigkeit zu schaffen, ist auch das Ziel Ihrer "Aid by Trade Foundation" mit ihrem Projekt "Cotton made in Africa". Dessen Ziel ist es, afrikanischer Baumwolle bessere und verlässlichere Absatzchancen auf dem europäischen Markt zu verschaffen. Gute Entwicklungshilfe ist vor allem "Hilfe zur Selbsthilfe": Mit dem Projekt "Cotton made in Africa" geben Sie diesem Prinzip als Unternehmer Glaubwürdigkeit. Auch damit leben Sie vor, was auch heute den Ehrbaren Kaufmann ausmacht.

Der Ehrbare Kaufmann weiß: Wer gemeinsame Interessen fördert und fair bleibt, wer auch den Erfolg der andern will, der erarbeitet sich Vertrauen. Und Vertrauen ist ein wichtiger Grundstoff für dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg - vielleicht sogar mehr als je zuvor.“

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"Arbeit, Bildung, Integration", Berliner Rede 2008

17.06.2008, Schloss Bellevue, Berlin

„Wo die Gehälter oder Abfindungen von Managern außer Verhältnis zu ihren Leistungen zu geraten drohen, da sind die Eigentümer der Unternehmen und deren Aufsichtsorgane gefordert. Sie müssen auf Mäßigung achten und müssen beachten helfen: Ein Unternehmensführer sollte Vorbild sein. Ich glaube, da ist ein Umdenkungsprozess in Gang gekommen. Das ist gut so.

Es wird dauern, den Vertrauensschaden zu reparieren, der durch das Fehlverhalten in den Leitungsbereichen einiger deutscher Unternehmen entstanden ist, von Steuerhinterziehung bis zur Bespitzelung der eigenen Mitarbeiter. Dass es aufgedeckt wurde, ist ein gutes Zeichen. Aber dass es sich um Einzelfälle handelt, das ist kein Trost. Denn wenn die Wirklichkeit für eine umfassende Kontrolle zu komplex ist, dann nehmen wir symbolische Stichproben. Wird also ein prominenter Zeitgenosse beim Bruch der geltenden Regeln erwischt und bildet er sich vielleicht gar ein, er stünde über ihnen, dann lautet für viele das Ergebnis der Stichprobe: So machen es alle. Wer zu diesem Schluss gelangt, gerät in Versuchung, die Gesellschaft nur noch unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, wie er seinerseits das Meiste für sich herausholen kann. Dann beginnt eine Abwärtsspirale.

Darum haben Prominente eine besondere Verantwortung, ob sie wollen oder nicht. Ihr Fehlverhalten gehört ohne Ansehung der Person geahndet. Bei uns dürfen auch die Reichen, Schönen und Mächtigen nicht bei Rot über die Ampel fahren.

Ich wünsche mir von den Unternehmern und den Unternehmen freilich noch etwas mehr als die Beachtung der Straßenverkehrsregeln. Sie sollten gerade in dieser Zeit des rapiden Wandels der Weltwirtschaft besonders sorgfältig in die Bedingungen für gute Arbeit in Deutschland investieren. Sie sollten mit langfristiger Perspektive wirtschaften, sie sollten durch kontinuierliche Fortbildung die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter erhöhen und an ihren Standorten auf eine gute Verwurzelung in den örtlichen Gemeinschaften achten. Das ist gottlob längst bei den allermeisten Betrieben gute Praxis, und es wird partnerschaftlich weiter ausgebaut. So haben zum Beispiel die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und der Bundesarbeitgeberverband Chemie im vergangenen Jahr ein Forum gegründet mit dem Ziel, gemeinsam für die Soziale Marktwirtschaft zu werben und Eckpunkte zu formulieren, wie sich unternehmerischer Erfolg, ein vertrauensvoller Umgang im Betrieb, nachhaltiges Wirtschaften und die faire Gestaltung der Globalisierung voranbringen lassen. Ich bin demnächst bei dem Forum zu Gast und freue mich darauf, seine Ergebnisse kennen zu lernen.

Insgesamt: Unsere Soziale Marktwirtschaft verdient Vertrauen. Ihre Ordnung, wenn wir sie beherzigen, trägt auch in den Zeiten der Globalisierung. Dabei wird die Soziale Marktwirtschaft immer angewiesen bleiben auf Tugenden, für die seit Jahrhunderten der Ehrbare Kaufmann und die einfachen Leute stehen: Fleiß, Anstand und Maßhalten.“

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"Erfolgsgrundlage: Vertrauen", Rede anlässlich der Verleihung des Max-Weber-Preises für Wirtschaftsethik

27.05.2008, Berlin

„Die Demokratie lebt davon, dass es so etwas gibt wie "Bürgersinn", soziale Normen, sittliches Empfinden, Maß und Takt. Das sind Tugenden, die Fremdkontrolle überflüssig machen, weil sie auf Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung zielen. Wo dieser Bürgersinn, diese Selbstbeherrschung fehlt, wo die Moral abhanden kommt, da gerät der freiheitliche Rechtsstaat in Gefahr.

[…]

Der Gedanke der Eigenverantwortung, der hinter Selbstverpflichtungen steht, ist begrüßenswert, und manche haben sich - wie zuletzt der Ausbildungspakt - auch als recht erfolgreich erwiesen. Häufig fällt das Ergebnis solcher Selbstverpflichtungen aber doch eher enttäuschend aus. Diese Ambivalenz findet sich auch im Corporate Governance Kodex. Die ihn begleitende Kommission hat gerade ihren Bericht vorgelegt und kommt zu dem Ergebnis, der Kodex habe sich "ohne Zweifel als Inbegriff von Standards guter Unternehmensführung fest etabliert." Nur fünf Empfehlungen würden von mehr als zehn Prozent der DAX-Unternehmen abgelehnt.

[…]

Machen wir uns aber nicht vor, es gäbe ein Unternehmensrecht, das alles perfekt regelt. Rufen wir uns in Erinnerung: Moral kann man nicht per Gesetz verordnen.

Im Grunde wären viele Selbstverpflichtungen und gesetzliche Regelungen überflüssig, wenn jeder sich so vertrauenswürdig verhielte, wie es dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns entspricht. Bereits im Mittelalter wurde in Kaufmannshandbüchern der "wahre und ehrliche Kaufmann" gepriesen. Er zeichnet sich durch grundlegende Tugenden aus wie Ehrlichkeit, Vorsicht, die Wahrung von Geschäftsgeheimnissen, Wagemut im richtigen Moment, Friedensliebe, Ernsthaftigkeit, Höflichkeit, Klugheit, Ordnung und eine gute Erziehung - also eine Erziehung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Werte. Die ehrbaren Kaufleute des Mittelalters verteilten einen Teil des Gewinns an die Armen und förderten darüber hinaus die Entwicklung von Infrastruktur und Kultur. Im Zuge der industriellen Revolution hat das Leitbild wohl später gelitten. Aber es gab immer wieder ehrbare Kaufleute, die es weiterentwickelt haben. Was gehört heute oder was könnte heute zu den Grundsätzen des ehrbaren Kaufmanns gehören? Ich denke, dazu gehören auf jeden Fall ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein, langfristiges Denken und die Orientierung am Ziel der Nachhaltigkeit. Vor allem aber geht es darum, dass die Führungskräfte in den Unternehmen selbst definieren, was für sie den ehrbaren Kaufmann ausmacht, dass sie sich an der gesellschaftlichen Wertediskussion beteiligen. Das ist mir eigentlich fast das Wichtigste: Sie sollen Flagge zeigen. Sie sollten den Dialog nicht scheuen, sondern vielmehr kämpfen für die Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft. Das gelingt nur, wenn sie zeigen, dass sie ernst nehmen, was die Gesellschaft beschwert und wenn sie vorleben, dass Anstand und Aufrichtigkeit eine Bedingung dafür bilden, nachhaltig Werte zu schaffen.

Die erste Aufgabe von Unternehmen ist und bleibt natürlich, mit ihren Produkten und Dienstleistungen die Bedürfnisse ihrer Kunden zu befriedigen. Um das nachhaltig tun zu können, müssen sie investieren und dafür Gewinne erwirtschaften. Und dazu brauchen sie Vertrauen, das Vertrauen ihrer Mitarbeiter in das Unternehmen und in seine Führung, das Vertrauen der Geschäftspartner und das Vertrauen der Kunden in ihre Leistungen. Und Vertrauen entsteht durch Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Mäßigung und Mut. Diese Tugenden müssen erlernt und gelebt werden, zum Beispiel durch ein glaubwürdiges Auftreten nach innen und außen, durch eine Kultur der Mäßigung und des Vorbilds bei den Managergehältern, ebenso wie bei der Preisgestaltung auf Märkten mit geringem Konkurrenzdruck, durch Mut zur Innovation und zu Investitionen in Neues. Wer viel wagt und viel Verantwortung trägt und dabei Erfolg hat, der soll auch viel gewinnen können. Gesetzliche Höchstgrenzen für Gehälter halte ich für den falschen Weg. Denn sie dürften dem jeweils unterschiedlichen Zusammenspiel zwischen Risiko und Gewinn kaum gerecht werden. Es geht vielmehr darum, bei denjenigen, die Vorbild sein sollen - und ich füge hinzu: auch müssen - das Problembewusstsein zu schärfen und die Aufsichtsorgane zu stärken. Diese sollten dann eingreifen, wenn es an der Kultur der Mäßigung und des Vorbilds mangelt. Ich weiß, dass Maßlosigkeit nicht die Regel ist, aber wenn die Ausnahmen gerade dort passieren, wo die Öffentlichkeit besonders aufmerksam hinschaut, dann hat das Auswirkungen weit über die Einzelfälle hinaus. Dann entsteht eben der Eindruck: "Die Manager" oder "die Unternehmer" stopfen sich die Taschen voll. Und man darf sich dann auch nicht wundern, wenn das Bild der Sozialen Markt-wirtschaft für viele zum Zerrbild wird.

Unsere Wirtschaft wird getragen von den vielen Unternehmen, die abseits des Scheinwerferlichts und der Börsennachrichten auf dem Weltmarkt ausgesprochen erfolgreich - ja führend - sind. Das ist zum Glück die Basis. Ist es ein Zufall, dass viele von diesen erfolgreichen Unternehmern, lange bevor der Begriff "Corporate Social Responsibility" in Mode kam, gesellschaftliche Verantwortung als selbstverständlichen Teil ihrer Arbeit gesehen haben? Vermutlich nicht. Es gab auch Unternehmer, die haben öffentlich gesagt: "Führen heißt Dienen." Ein Spruch von Herrn Merkle. So haben wohl diese Unternehmer nur früh verstanden, dass moralisches Verhalten dem Ruf eines Unternehmens förderlich, dass es Teil des dauerhaften, nachhaltigen Unternehmenswertes ist.“

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"Freiheit braucht Verantwortung", Grußwort anlässlich der Verleihung des Preises "Freiheit und Verantwortung"

03.12.2007, Berlin

„Und wir brauchen Vorbilder. Vorbilder, die Verantwortung übernehmen und das auch zeigen. Unternehmer und Unternehmenslenker sind hier ganz besonders in der Pflicht. Denn sie tragen nicht nur eine große Verantwortung für ihre Mitarbeiter und deren Arbeitsplätze, sie prägen auch das Bild "der Wirtschaft" in der Öffentlichkeit, ob Sie wollen oder nicht. Sie müssen wissen, sie sind auch ein Aushängeschild der sozialen Marktwirtschaft und damit auch verantwortlich für deren Ansehen. Das ist eine große gesellschaftliche Verantwortung - die im Konkreten vor Ort beginnt: beim menschlichen Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, beim sparsamen Einsatz endlicher Ressourcen - oder auch zum Beispiel beim Engagement für den örtlichen Kindergarten. Aber sie endet dort nicht. Die Unternehmer und Manager sind auch gefragt, sich in die politische Debatte einzumischen, diese mitzubestimmen und auch dort Verantwortung zu übernehmen.

Wir brauchen Vorbilder in den Unternehmen ganz besonders in Zeiten des Wandels. Wenn von den Arbeitnehmern große Flexibilität und Anpassungsbereitschaft gefordert werden  und die müssen wir fordern  dann brauchen wir umso mehr auch verantwortungsvolle Führungspersönlichkeiten in der Wirtschaft, die sich durch persönliche Glaubwürdigkeit und eben durch vertrauenswürdiges, das heißt Vertrauen stiftendes Verhalten auszeichnen. Konkret: Wer anderen das Maßhalten predigt, zum Beispiel bei Lohnverhandlungen, muss es auch selbst praktizieren. Wer von seinen Mitarbeitern Loyalität erwartet, der muss sie ihnen auch selbst entgegenbringen. Und wer in schwierigen Phasen den Mitarbeitern Einschnitte abverlangt, wer gar Angestellte entlassen muss, der darf sich nicht um erklärende Gespräche drücken und sollte sich zweimal fragen, ob es in solchen Situationen angemessen ist, sich selbst gleichzeitig großzügige Gehaltssteigerungen zu gönnen.
Die Gesellschaft erwartet zu Recht von Unternehmern und Unternehmenslenkern - wie von jedem anderen - dass sie rechtmäßig, gesetzestreu und moralisch anständig handeln. Das allein ist kein Verdienst, sondern eine Selbstverständlichkeit. Wer dagegen verstößt, muss wissen, dass er nicht nur dem eigenen Ruf und damit dem Unternehmen schadet, sondern auch das Bild der Wirtschaft insgesamt in der Öffentlichkeit beschädigen kann.

Über dieses selbstverständliche Verhalten eines ehrbaren Kaufmanns hinaus können Unternehmer und Unternehmen durch freiwilliges gesellschaftliches Engagement ein gutes Stück dazu beitragen, das freiheitliche und soziale Fundament unserer Gesellschaft zu stärken. Und ich möchte durchaus nicht missverstanden werden: Die wichtigste Messlatte unternehmerischen Erfolgs ist und bleibt das nachhaltige wirtschaftliche Ergebnis. Das kann auch gar nicht anders sein, weil von diesem Ergebnis die Wohlfahrt vieler - Eigentümer wie Beschäftigter - abhängt. Aber freiwilliges gesellschaftliches Engagement ist ja auch nicht gleichzusetzen mit Altruismus. Es ist nicht einmal nur eine Investition in die freiheitliche Ordnung, in der die Unternehmen arbeiten und Geld verdienen. Es ist oft ein Engagement aus wohlverstandenem Eigeninteresse.

Jeder gute Unternehmer bzw. Manager weiß, dass er einer "Gesellschaft" vorsteht, und zwar nicht nur im gesellschaftsrechtlichen Sinne, sondern auch im Sinne einer Gemeinschaft von Menschen, die das Unternehmen zusammen führt. Da gibt es eine gemeinsame Geschichte, jede Menge soziale Beziehungen, gemeinsame Hoffnungen, gemeinsamen Stolz auf das Erreichte und vielfach eine gemeinsame Identität. Natürlich muss sich jedes Unternehmen im Wettbewerb behaupten, und das ist oft schwer genug. Aber es muss eben auch als soziale Gemeinschaft verstanden und geführt werden. Die Wettbewerbsfähigkeit und die Substanz eines Unternehmens erschließen sich nicht in Quartalszahlen. Es braucht mehr als kurzfristiges Renditedenken oder Herdenverhalten im Schalltrichter von so genannten Finanzanalysten, um ein Unternehmen dauerhaft erfolgreich zu führen. Immer mehr spricht sich herum: Zu einer modernen, erfolgreichen Unternehmenskultur gehört nicht nur Ehrbarkeit und langfristiges Denken, sondern eben auch soziale Kompetenz, nicht zuletzt in der Form, die Mitarbeiter motivieren zu können, denn die Menschen sind das Wichtigste für ein erfolgreiches Unternehmen. Der große Unternehmer Hans Merkle hat das einmal so ausgedrückt: "Führen heißt dienen."

Dies ist nichts grundsätzlich Neues. Unternehmer und Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung praktizieren und zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur machen, haben eine lange Tradition in unserem Land - angefangen bei der Fuggerei in Augsburg vor 500 Jahren. Und manch ein Unternehmen in Deutschland, das sich schon im 19. Jahrhundert um gute Arbeitsbedingungen kümmerte, Wohnungen für Arbeiter baute und Gesundheitsvorsorge betrieb, gehört heute noch zu den Spitzenreitern, wenn es darum geht, gesellschaftliche Verantwortung ernst zu nehmen. Gesellschaftliche Verantwortung ist aber nicht nur ein Thema großer Traditionsunternehmen. Ganz im Gegenteil: Gerade kleine und mittelgroße Unternehmen, und nicht zuletzt Handwerksbetriebe, demonstrieren in vielfacher Weise Tag für Tag, dass Freiheit und Verantwortung Hand in Hand gehen. Dass das in Deutschland immer noch für die Mehrheit gilt, darauf können wir stolz sein.

Dass es gerade die kleinen und mittleren, die Eigentümer und Familienunternehmen sind, die Verantwortung übernehmen für die Gemeinschaft, verwundert nicht. Sie sind stärker in das soziale Umfeld am Standort eingebunden. Sie kennen die Menschen in ihrer Nachbarschaft. Sie wissen, wo ihre Unterstützung gebraucht wird, wo sie etwas zum Guten bewegen können. Und sie wissen auch, dass Verantwortung keine Einbahnstraße ist. Sie wird belohnt durch zufriedene, loyale Mitarbeiter, durch ein gutes Bild in der Öffentlichkeit, beides wichtige Faktoren für langfristigen Erfolg.

Eine solche Sicht der Dinge liegt vielleicht Eigentümerunternehmern näher als manchen angestellten Managern mit Fünfjahresverträgen. Was können Manager von Eigentümern lernen? Kann man beide überhaupt mit einander vergleichen? - Unternehmer arbeiten schließlich mit ihrem eigenen Geld, Manager verwalten das Geld der Eigentümer. Wovon lassen sich Manager leiten? Etwa vorwiegend von dem Druck, der dadurch entsteht, dass andere bereits in eine bestimmte Richtung marschieren? Blasen, wie sie am USHypothekenmarkt gerade jetzt entstanden sind, legen eine solche Erklärung vielleicht zuweilen nahe. Letztlich liegt es an den Anteilseignern, welche Politik das Management verfolgt. "Freiheit und Verantwortung" geht deshalb eminent auch die Aufsichtsräte, die Aktionäre und die Gesellschafter an. Sie haben es in der Hand, die "Corporate Governance" auch im Lichte des gesellschaftlichen Ganzen zu sehen. Und der unter Vorsitz von Gerhard Cromme ausgearbeitete "Corporate Governance Kodex" gibt hier gute Anhaltspunkte. Wir haben durch die Wirtschaft selbst etwas, auf dem wir aufbauen können und wo wir Koordinaten finden für das Thema Freiheit und Verantwortung.“

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„Das Streben der Menschheit nach Glück verändert die Welt“, Berliner Rede 2007

01.10.2007, Radialsystem V, Berlin

„Die Globalisierung ist weder Naturereignis noch allein Folge des technischen Fortschritts. Sie wird seit Jahrhunderten angetrieben vom friedlichen Handel und Wandel. Sie ist politisch gewollt und bewusst beschleunigt worden durch die Öffnung der Märkte und die Schaffung internationaler Institutionen. Sie hat dann einen zusätzlichen Schub erhalten durch den Fall des Eisernen Vorhangs und den Eintritt Chinas und Indiens in die Weltwirtschaft. Milliarden Menschen tragen mit ihrer Arbeit und ihren Wünschen dazu bei. Ihr Streben nach Glück durchdringt und verändert die Welt.

[…]

Die friedliche und faire Konkurrenz der Nationen ist gewiss nicht immer bequem; aber sie birgt unerschöpfliche Kraft. Es ist die entscheidende Aufgabe für das 21. Jahrhundert, diese Kraft in geordnete Bahnen zu lenken und allen zugute kommen zu lassen. Nur wenn wir die Globalisierung in diesem Sinne gestalten, können wir weltweit Armut, Gewalt, Umweltzerstörung und Regellosigkeit zurückdrängen. Wir brauchen eine Entwicklungspolitik für den ganzen Planeten.

[…]

„Es ist wirklich viel vernünftiger, freundlich zu sein. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Die kürzeste Entfernung zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln." Wer gemeinsame Interessen fördert und fair bleibt, wer auch den Erfolg der andern will, der erarbeitet sich Vertrauen und ist dauerhaft erfolgreich. Das weiß jeder ehrbare Kaufmann. Das folgt ethischen Grundnormen. Darauf zielt das Völkerrecht, und das entspricht den Gemeinsamkeiten der Weltreligionen. Gesetz, Vernunft und Glaube gebieten dasselbe: Handle so, wie du selbst von anderen behandelt werden möchtest.“

[…]

Wir müssen mehr wissen über das Geschehen auf den Finanzmärkten und darüber, wie es auf die reale Wirtschaft einwirkt. Deshalb brauchen wir eine unabhängige, kompetente Institution, die jenseits der Grenzen des Nationalstaats zuständig und verantwortlich für die Stabilität des internationalen Finanzsystems ist. Ich denke, der Inter-nationale Währungsfonds sollte vor allem hier seine Aufgabe in der Welt des 21. Jahrhunderts finden.

[…]

Wir können berichten über unsere guten Erfahrungen mit persönlicher Freiheit und gelebter Vielfalt, über unsere Verbindung von Markt und sozialem Ausgleich, über gelungene Transformationen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Die Welt wäre ärmer ohne die europäische Sicht der Dinge. Deshalb haben wir eine Verantwortung, diese Sicht einzubringen."

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"Erneuerung und Gerechtigkeit", Ansprache bei der Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

22.11.2006, Bochum

„Und noch ein Viertes tut Not auf dem Weg zum investiven Sozialstaat: Gute Vorbilder, denn die Bürgerinnen und Bürger schauen genau hin, wie sich die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verhalten und ob bei ihnen Wort und Tat zusammenpassen.

Für Unternehmer heißt Vorbildsein in meinen Augen: Etwas unternehmen, das Märkte und Belegschaft überzeugt; Maß und Mitte bei den eigenen Einkommen pflegen; auf ein gutes Miteinander im Betrieb achten; auch jenseits des Fabriktors Verantwortungsgefühl beweisen und deshalb nötigenfalls durchaus sogar: es öffentlich tadeln, wenn andere Unternehmer oder Manager den Hals nicht voll kriegen, wenn sie ihre Mitarbeiter zu bloßen Bilanzposten herabwürdigen oder wenn sie im selben Unternehmen vom Vorstandsvorsitz auf den Stuhl des Aufsichtsratsvorsitzenden wechseln, damit nur ja alles schön im Club bleibt - Beispiele dafür gibt es leider, und sie schaden der ganzen Innung.

[…]

Die Welt der Arbeit und der Wirtschaft ist einer der wichtigsten Lebens- und Erfahrungsbereiche. Sie entdeckt immer Neues, sie vermittelt Lebenssinn, sie integriert Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturen, sie hält fit im Kopf, sie schärft den Blick für den Unterschied zwischen Chance und Träumerei und sie hat ihr eigenes Ethos - ein Ethos der Leistung und des ehrbaren Kaufmanns, für den Vertrauen der wichtigste Kredit ist.

Ich wünsche mir, dass Sie alle diese Qualitäten noch viel stärker als bisher in die öffentliche Debatte und in die Gestaltung unseres Zusammenlebens einbringen. Fordern Sie in politischen Angelegenheiten - von der Kommunalpolitik bis zur europäischen Integration - bei jeder Gelegenheit Klarheit, Wahrheit und Rationalität! Erklären Sie Ihren Beschäftigten und Mitbürgern viel öfter und genauer, was Sie selbst tun, um im weltweiten Handel erfolgreich zu sein, und welche Vorteile er allen bringt, die an ihm teilnehmen. Beteiligen Sie ihre Mitarbeiter am Unternehmenserfolg! Gehen Sie kritisch mit sich selbst ins Gericht; stellen Sie sich die Frage, wie sehr auch die Sozialpartner dazu beigetragen haben, "die Kühe aufzublasen" und die Kosten des wirtschaftlichen Wandels der Allgemeinheit aufzuhalsen. Tun Sie noch mehr für die berufliche Aus- und Weiterbildung - ich weiß, Sie tun schon viel, aber tun Sie noch mehr! Denn wir brauchen die Aus- und Weiterbildung nicht allein aus wirtschaftlichen und demographischen Gründen, wir brauchen sie auch für den Zusammenhalt und die Stabilität unseres Gemeinwesens. In dem Zusammenhang würde ich mir wünschen, dass auch die Unternehmer mit Migrationshintergrund mindestens so viele Ausbildungsplätze schaffen, wie es ihrer wirtschaftlichen Kraft entspricht. Bieten Sie alle den Schulen Ihre Partnerschaft an und beteiligen Sie sich an lokalen Bündnissen für die Familien.“

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