Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1907-1967)

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1907-1967)

Fotografie von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

 

Erst kommen die Menschen, dann die Maschinen. Das ist bei uns seit hundert Jahren so üblich.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1953)

Übersicht

Inhaber der Krupp-Werke.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1907-1967; im Folgenden kurz: Alfried Krupp) ging als der „letzte Krupp“ in die Geschichte ein. Das Familienunternehmen Krupp, welches über 5 Generationen unter der Leitung eines Krupps stand, war und ist bekannt für seine führende Stellung in der Stahlindustrie. Der Ruf des Unternehmens hat jedoch in der Nachkriegszeit aufgrund der Waffenlieferungen an das Nazi-Regime im Dritten Reich stark gelitten. Der verurteilte Kriegsverbrecher Krupp, der in der Kriegszeit persönliche Kontakte zu Hitler gepflegt hatte, schaffte es jedoch, mit Hilfe seines Managers und Freundes Berthold Beitz das Image des Unternehmens und auch sein eigenes Ansehen zumindest teilweise wieder herzustellen.

Kurzbiografie

Herkunft

Geboren am 13. August 1907  in der Villa Hügel in Essen als Sohn von Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, Inhaber des Krupp’schen Familienunternehmens

Abitur

Mit siebzehn Jahren machte Alfried Krupp sein Abitur und arbeitete anschließend für kurze Zeit im Familienunternehmen. 

Spielte eine entscheidende Rolle in der Charakterbildung: Mutter Bertha Krupp

Studium

Studium der Physik, Mineralogie und Chemie in Berlin, München und Aachen; insgesamt dauerte seine Universitätsausbildung fast zehn Jahre. Er schloss sein Studium als Diplom-Ingenieur im Jahr 1934 ab. Auf dieses folgte ein Voluntariat bei der Dresdner Bank.

Verhältnis Nationalsozialismus

Frühe Begeisterung für den Nationalsozialismus; Alfried Krupp war im Fliegerkorps der Nationalsozialisten. In die NSDAP trat er aber erst ein, als er im Vorstand von Krupp war.

Familienleben

Erste Ehe mit Anneliese Lampert, geb. Bahr im Jahr 1937; aus dieser Verbindung ging der Sohn Arndt hervor. Nach der Scheidung seiner Eltern, welche durch Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach forciert wurde, wuchs Arndt von Bohlen und Halbach bei seiner Mutter auf und kannte seinen Vater kaum. 1953 heiratete Alfried Krupp in zweiter Ehe Vera Knauer geb. Hossenfeld. Diese Ehe wurde jedoch 1957 ebenfalls geschieden.

Alfried Krupp als Alleininhaber

Hitler ermöglichte es durch den Erlass der „Lex Krupp“ im Jahr 1943, Krupp von einer AG in ein Einzelunternehmen umzuwandeln; dies brachte steuerliche Vorteile mit sich und erlaubte das Alleinerbe des Unternehmens durch Alfried Krupp.  

Kriegsverbrechen und Prozess

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Alfried Krupp für seine Kriegsverbrechen zu zwölf Jahren Haft verurteilt, von denen er aber nur sechs Jahre verbüßte. Am 31.01.1951 wurde Alfried Krupp und den anderen Verurteilten eine Amnestie von Hochkommissar McCloy gewährt.

Mehlemer Vertrag

Der Mehlemer Vertrag erlaubte Alfried Krupp die Kontrolle über das Unternehmen wieder zu übernehmen. Dafür sollte er wichtige vertikale Betriebe abstoßen.

Internationale Aktivitäten

Alfried Krupp bereiste viele Länder und gab sein Wissen weiter. Besonders in den Entwicklungsländern sah er die Märkte der Zukunft. 1962 wurde ihm in Tokio die Ehrendoktorwürde verliehen. Privat engangierte er sich auch im Ausland und baute unter anderem eine Schule, eine Metzgerei und eine Kirche in Argentinien.

Ableben und Erbe

Tod Alfried Krupps am 30. Juli 1967 in Essen; Arndt von Bohlen und Halbach verzichtet gegen eine Abfindung auf seine Erbschaft. Als Erbe wurde eine Stiftung eingesetzt. Der Familienname erlosch schließlich.

Das moralische Erbe

Der "Kanonenkönig"
Der "Kanonenkönig"

 

 

Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein, dann bringt Arbeit Segen, dann ist Arbeit Gebet.

Urgroßvater Alfred Krupp (1812-1887)

Krupps Persönlichkeit

Humanistische Grundbildung

Die humanistische Grundbildung ist bei Alfried Krupp als problematisch anzusehen, da seine sehr strenge Erziehung weniger auf Menschlichkeit als auf die Weiterführung des Familienunternehmens ausgerichtet war. Persönlicher Verzicht kennzeichnet bereits seine Jugend.

Kaufmännisches Fachwissen

Alfried Krupp hatte eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung als Ingenieur genossen. Praktische Kenntnisse, die ein Kaufmann besitzen sollte, erlangte er durch das Voluntariat bei der Dresdner Bank. 

Gefestigter Charakter mit Wirtschaftstugenden

Von einem gefestigten Charakter kann bei Alfried Krupp nur bedingt gesprochen werden. Alfried Krupp erfüllte seine Aufgaben im Unternehmen zwar mit Pflichtgefühl, jedoch nicht mit Leidenschaft. Alfried Krupps Charakter kann als geheimnisvoll und schwer zugänglich beschrieben werden. Still und verschlossen, äußerte er oft seine Meinung nicht. Alfried Krupp wusste sich in der gehobenen Gesellschaft einwandfrei verhalten. Er besaß Manieren, Form- und Taktgefühl. Seine innere Verschlossenheit und fehlende Kommunikationsfreude zeugten jedoch weniger von großem Interesse gegenüber seinen Mitmenschen. Alfried Krupp war vielmehr getrieben von dem Gedanken der Nachhaltigkeit seines Unternehmens. Dies weist ihn in diesem Punkt durchaus als ehrbar aus, zeigt aber auch, dass die Firma Krupp sein einziger Lebensinhalt war. 

Verantwortung für das Unternehmen

Mitarbeiter

Alfried Krupps Einstellung gegenüber seinen Mitarbeitern war zweigestaltig: Während er für die „echten Kruppianer” entsprechend der familiären Tradition große Loyalität und Sorge empfand und in der Sozialpolitik der Firma umsetzte, behandelte er die bei ihm arbeitenden Zwangsarbeiter mit großer Gleichgültigkeit. In der Nachkriegszeit ging er gegen die von Alt-Nazis besetzte Direktorenriege mit aller Härte vor, um sein Unternehmen zu rehabilitieren.

Verantwortung für die Gesellschaft

Konsumenten

Aufgrund der hohen Qualität des Stahls, die für Alfried Krupp stets Ziel bei der Entwicklung und Herstellung war, bestand bei ihm ein Verantwortungsgefühl gegenüber den Konsumenten. Da Stahl oft in tragenden Konstruktionen oder im Lokomotivbau verwendet wurde, kann gesagt werden, dass an einer guten Stahlqualität durchaus Menschenleben hingen. Auch wenn es makaber klingen mag, auch die von Krupp gelieferten Waffen mussten eine gute Qualität aufweisen, da das Leben der Verwender – also der Soldaten – maßgeblich von dieser Qualität abhing.

Gemeinde

Bezüglich des Kriteriums der Gemeinde wird auf die besondere Stellung des Unternehmens Krupp für die Stadt Essen als Arbeitgeber verwiesen. Auch das Engagement für die „Kruppianer” wie der soziale Wohnungsbau oder die Einrichtung eines Krankenhauses durch Alfried Krupp weist deutlich auf großes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gemeinde hin.

Öffentlichkeit

Gegenüber der Öffentlichkeit besaß Alfried Krupp ein großes Bewusstsein für die positive Darstellung des Unternehmens. Die Öffentlichkeitsarbeit war letztlich auch ein wesentlicher Einstellungsgrund von Berthold Beitz durch Alfried Krupp. Es wurde viel Mühe und Geld investiert, um eine ordentliche PR-Arbeit leisten zu können. Allerdings war es Berthold Beitz, der das Unternehmen aktiv in der Öffentlichkeit vertrat, während Alfried Krupp im Hintergrund blieb.

Politisches System

Das politische Engagement ist aufgrund von Krupps NS-Vergangenheit schwer zu werten. Alfried Krupp besaß eine große Nähe zum Nationalsozialismus und wurde sogar von Hitler persönlich für seine Taten für das deutsche Volk geehrt.

Umwelt

Bezüglich der Verantwortung gegenüber der Umwelt geht aus der Literatur lediglich hervor, dass die Industriestadt Essen unter schlechter Luft litt, die offensichtlich von den Emissionen der Stahlwerke herrührte.

Ehrbarkeitstendenzen

4/10

Ergänzende Informationen

Das Unternehmen heute - Die ThyssenKrupp AG

Heutiger Vorstandsvorsitzender: Ekkehard Schulz
Heutiger Vorstandsvorsitzender: Ekkehard Schulz

Nach der Fusion der Fried. Krupp AG Hoesch-Krupp, welches 1992 aus der Friedrich Krupp AG und der Hoesch AG per feindlicher Übernahme entstanden war, mit der Thyssen AG im Jahr 1999 ist die ThyssenKrupp AG Deutschlands größtes Stahl- und Rüstungsunternehmen. Die AG besitzt einen doppelten Firmensitz in Duisburg und Essen.

Mehr über ThyssenKrupp bei Wikipedia

Firmenwebseite

http://www.thyssenkrupp.com

Weitere Verantwortungsträger des Unternehmens

Berthold Beitz

Berthold Beitz leitet seit 1967 die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach - Stiftung, die 25,33 Prozent des Grundkapitals der ThyssenKrupp AG hält.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1943-1967)

Porträt von Gustav und Bertha von Bohlen und Halbach

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1902-1946 Aufsichtsrat)

Bertha Krupp von Bohlen und Halbach (Foto: Nicola Perscheid)

Bertha Krupp von Bohlen und Halbach (1902-1943)

Gemälde von Friedrich Alfred Krupp

Friedrich Alfred Krupp (1887-1902)

Alfred Krupp mit seiner Familie

Alfred Krupp (1826-1887)

Porträt von Friedrich Krupp

Friedrich Krupp (1811-1826)

Weiterführende Literatur

Dimitrova, Desislava (2009): Alfried Krupp und Berthold Beitz vor dem Hintergrund des Bildes des ehrbaren Kaufmanns, Berlin, Diplomarbeit, Institut für Management, Humboldt-Universität zu Berlin, Prüfer: Joachim Schwalbach, abrufbar unter: http://www.der-ehrbare-kaufmann.de/files/pdfs/dimitrova-krupp-beitz.pdf

Calogeras, R. C. (1989): Die Krupp-Dynastie und die Wurzeln des deutschen Nationalcharakters - Eine psychoanalytische Kulturstudie, München: Verlag Internationale Psychoanalyse. Friz,

D. M. (1990): Die Stahlgiganten Alfried Krupp und Berthold Beitz, Berlin: Ullstein Sachbuch.

Frobenius, H. (1898): Alfried Krupp – Ein Lebensbild, Dresden: Verlag von Carl Reißner.

Krupp, Fr. (1963) (Hrsg.): Krupp – Informationen über den Konzern – seine Geschichte – seine Erzeugnisse – seine Leistungen, Essen: Friedr. Krupp.

Manchester, W. (1978): Krupp – Chronik einer Familie, München: Wilhelm Heyne Verlag. Maschke,

H. M. (1951): Das Krupp-Urteil und das Problem der „Plünderung“, Göttingen: „Musterschmidt“ wissenschaftlicher Verlag.

Menne, B. (1937): Krupp - Deutschlands Kanonenkönige, Zürich: Europa-Verlag.

Schröder, E. (1991): Krupp - Geschichte einer Unternehmerfamilie, in: Persönlichkeit und Geschichte, Bd. 5, 4. Aufl., Göttingen: Muster-Schmidt Verlag.

Wilmowsky, T. Frhr. von (1961): Rückblickend möchte ich sagen... – An der Schwelle des 150jährigen Krupp-Jubiläums, Oldenburg: Gerhard Stalling Verlag.

Wilmowsky, T. Frhr. von (1962): Warum wurde Krupp verurteilt? – Legende und Justizirrtum, 3. überarb. Aufl., Düsseldorf: Econ-Verlag GmbH. 

Krupp bei Wikipedia

Mehr zu Alfried Krupp von Bohlen und Halbach unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Alfried_Krupp_von_Bohlen_und_Halbach

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