Prof. Dr. h.c. Berthold Beitz (geb. 1913)

Prof. Dr. h.c. Berthold Beitz (geb. 1913)

Fotografie während der Hauptversammlung

 

Man kann nicht heute Apfelbäume pflanzen und schon im nächsten Jahr die Früchte ernten

Prof. Dr. h.c. Berthold Beitz

Übersicht

Früherer Generalbevollmächtigter des Krupp-Konzerns und heutiger Vorsitzende der Krupp-Stiftung

Das Leben von Berthold Beitz (*1913) ist eng verbunden mit dem Krupp’schen Unternehmen. Von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach persönlich ausgewählt, baute er als Generalbevollmächtigter mit diesem zusammen das Unternehmen nach dem Krieg wieder auf. Während des Zweiten Weltkriegs hatte Berthold Beitz vielen Juden in Galizien selbstlos das Leben gerettet. Nach Kriegsende hat sich die „Ikone des Friedens“ auch sehr für die Ost-Aussöhnung mit Russland und Polen eingesetzt. Berthold Beitz ist bis heute im ThyssenKrupp-Konzern tätig.

Kurzbiografie

Herkunft

Geboren am 26. September 1913 in Zemmin (Pommern); wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf.

Lehre

Zweijährige Lehre als Bankkaufmann in Stralsund

Beitz beim Spatenstich für das ThyssenKrupp Quartier in Essen
Beitz beim Spatenstich für das ThyssenKrupp Quartier in Essen

Karriere

Aufstieg zum stellvertretenden Bankdirektor innerhalb eines Jahres

1939 Einstieg bei Dutsch Royal Shell in Hamburg; Übernahme der Verwaltung von Ölfeldern in Galizien im damaligen Polen

Nach Kriegsende Arbeit bei einer Versicherungsgesellschaft; später Generaldirektor der Iduna-Germania Lebensversicherung

1953 Einstieg im Krupp-Konzern als Generalbevollmächtigter und persönlicher Vertrauter Alfried Krupps von Bohlen und Halbach

Bis heute berufliche Tätigkeit im ThyssenKrupp-Konzern 

Verhältnis Nationalsozialismus

Nach freiwilligen Militärübungen Rang eines Reservefeldwebels; jedoch hegte er Verachtung gegenüber der NSDAP und schloss sich ihr auch nicht an

Rettung von vielen Juden unter dem Vorwand, er bräuchte Arbeiter; nutzt dabei seine Stellung bei Dutsch Royal Schell sowie persönliche Jugendkontakte innerhalb der SS

Im November 1944 wurde Berthold letztlich eingezogen.FamilienlebenSeit 1939 glückliche Ehe mit Else Hochheim; aus dieser sind 3 Töchter hervorgegangen.

Internationale Aktivitäten

Ausgeprägte Aktivitäten im Handel und den Beziehungen zum Osten; Berthold Beitz engagierte sich intensiv für die Ost-Aussöhnung mit Polen und Russland 

Kurz notiert...

Arbeiter in einer Krupp-Fabrik
Arbeiter in einer Krupp-Fabrik

Ich habe aber gar nicht viel nachgedacht, als ich versuchte, so viele Juden wie möglich für meinen Betrieb zu reklamieren und so zu retten. Nein, ich habe darüber eigentlich gar nicht nachgedacht. Ich habe spontan gehandelt, aus dem Gefühl heraus. Ich musste es einfach tun.

Prof. Beitz im Stern-Online Interview

Beitz´ Persönlichkeit

Humanistische Grundbildung

Berthold Beitz hatte eine sorgenlose und freudevolle Kindheit. Seine Eltern waren normale Bürger. Er besuchte eine Schule, die er mit Abitur abschloss. Offensichtlich wurde auf Berthold Beitz wenig Druck von Seiten der Eltern ausgeübt, da seine schulischen Leistungen trotz großer Intelligenz eher schlecht waren. Auch sein späteres Naturell weist auf eine glückliche, ungezwungene Jugendzeit hin. Somit kann eine gute humanistische Grundbildung als gegeben angenommen werden.

Kaufmännisches Fachwissen

Obwohl Beitz nicht sehr erfolgreich in der Schule war, bildete er sich weiter und beendete erfolgreich seine Ausbildung zum Bankkaufmann. In Zusammenhang mit dem anschließenden Beginn seiner Karriere kann darauf geschlossen werden, dass er durchaus über ein fundiertes wirtschaftliches Fachwissen verfügte. Die Tatsache, dass er im Versicherungsgeschäft, in dem ihm die Branchenkenntnisse fehlten, so erfolgreich war, dass er sich aufgrund seiner guten Führungsfähigkeiten in kurzer Zeit zum Generaldirektor bei der Iduna-Germania Lebensversicherung emporgearbeitet hatte, bestätigen dies. 

Gefestigter Charakter mit Wirtschaftstugenden

Berthold Beitz zeigte bereits in diesem frühen Stadium seines Lebens, dass er einen stark geformten Charakter besaß, der viele Tugenden in sich vereinte. Zu diesen gehörte Menschenkenntnis, Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen. Sein Einsatz für die Juden in Galizien zeugt von Mut und einem tiefen Pflichtgefühl gegenüber der Menschlichkeit. Später ist sein Verhalten gegen die von Alt-Nazis besetzte Direktorenriege bei Krupp durch Entschlossenheit, aber auch provokantem Verhalten geprägt. Berthold Beitz zeigte sich im besonderen Maße innovativ, indem er im Unternehmen die Führung durch Stäbe einführte.

Verantwortung für das Unternehmen

Mitarbeiter

Für den ehrbaren Kaufmann im weiteren Sinne ist im Besonderen das Engagement für seine Mitarbeiter während seiner Zeit in Galizien zu sehen. Er sicherte ihnen die Ernährung während des Krieges und damit ihre Existenz. Er schützte das Leben seiner Mitarbeiter unter Einsatz seines eigenen Lebens.

Verantwortung für die Gesellschaft

Konsumenten

Berthold Beitz war ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann und er erledigte seine Arbeit zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten. Dies lässt indirekt darauf schließen, dass er ebenfalls ein Verantwortungsgefühl gegenüber Konsumenten besaß.

Gemeinde

Die Rettung der jüdischen Mitarbeiter ist jedoch nicht nur im Hinblick auf die Unternehmensebene, sondern auch auf die Gesellschaftsebene zu werten. Auch die zahlreichen Ehrentitel, die Feierung Berthold Beitz’ als „Ikone des Friedens“ entkräften diese Argumentation.

Öffentlichkeit

Berthold Beitz war von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach ausgewählt worden, um das Bild des Krupp’schen Unternehmens in der Öffentlichkeit zu verbessern. Da er die Traditionen und Gepflogenheiten der damaligen Stahlbranche nicht kannte, erschien er dazu geeignet, alte Strukturen aufzubrechen. Durch persönliches Engagement gepaart mit modernen Ideen, Methoden und einem besonderen Weitblick war Berthold Beitz bei seiner PR-Arbeit sehr erfolgreich.

Politisches System

Berthold Beitz hingegen zeigte bei den politischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und den Oststaaten echtes politisches Engagement, indem er die Wogen erfolgreich glättete. Die Geschäfte, die er mit den osteuropäischen Staaten abschloss, können als vorteilhaft für Konsumenten, Gemeinden, für die Öffentlichkeit und auch für das politische Leben an sich angesehen werden.

Sein Engagement in Galizien hingegen war weniger politischer als rein menschlicher Natur.

Umwelt

Zu Umwelt kann bei Beitz keine konkreten Aussagen gemacht werden.

Ehrbarkeitstendenzen

9-9,5/10

Ergänzende Informationen

Das Unternehmen heute - Die ThyssenKrupp AG

Heutiger Vorstandsvorsitzender: Ekkehard Schulz
Heutiger Vorstandsvorsitzender: Ekkehard Schulz

Nach der Fusion der Fried. Krupp AG Hoesch-Krupp, welches 1992 aus der Friedrich Krupp AG und der Hoesch AG per feindlicher Übernahme entstanden war, mit der Thyssen AG im Jahr 1999 ist die ThyssenKrupp AG Deutschlands größtes Stahl- und Rüstungsunternehmen. Die AG besitzt einen doppelten Firmensitz in Duisburg und Essen.

Mehr über ThyssenKrupp auf Wikipedia

Firmenwebseite

http://www.thyssenkrupp.com

Weitere Verantwortungsträger des Unternehmens

Berthold Beitz

Berthold Beitz leitet seit 1967 die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach - Stiftung, die 25,33 Prozent des Grundkapitals der ThyssenKrupp AG hält.

Porträt von Gustav und Bertha von Bohlen und Halbach

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1902-1946 Aufsichtsrat)

Bertha Krupp von Bohlen und Halbach (Foto: Nicola Perscheid)

Bertha Krupp von Bohlen und Halbach (1902-1943)

Gemälde von Friedrich Alfred Krupp

Friedrich Alfred Krupp (1887-1902)

Alfred Krupp mit seiner Familie

Alfred Krupp (1826-1887)

Porträt von Friedrich Krupp

Friedrich Krupp (1811-1826)

Weiterführende Literatur

Dimitrova, Desislava (2009): Alfried Krupp und Berthold Beitz vor dem Hintergrund des Bildes des ehrbaren Kaufmanns, Berlin, Diplomarbeit, Institut für Management, Humboldt-Universität zu Berlin, Prüfer: Joachim Schwalbach, abrufbar unter: http://www.der-ehrbare-kaufmann.de/files/pdfs/dimitrova-krupp-beitz.pdf

Engelmann, B. (1969): Krupp - Legenden und Wirklichkeit, München: Franz Schneekluth Verlag.

Friz, D. M. (1990): Die Stahlgiganten Alfried Krupp und Berthold Beitz, Berlin: Ullstein Sachbuch.

Gall, L. (2002)(Hrsg.): Krupp im 20. Jahrhundert: Die Geschichte des Unternehmens vom Ersten Weltkrieg bis zur Gründung der Stiftung, Berlin: Siedler Verlag.

Sandkühler, Th. (1996): „Endlösung“ in Galizien - Der Judenmord in Ostpolen und die Rettungsinitiativen von Berthold Beitz 1941-1944, Bonn: Verlag J.H.W. Dietz Nachfolger GmbH.

Schmalhausen, B. (1991): Berthold Beitz im Dritten Reich – Mensch in unmenschlicher Zeit, Essen: Verlag Peter Pomp.

Beitz bei Wikipedia

Mehr zu Berthold Beitz unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Berthold_Beitz

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