Werner von Siemens (1816-1892)

Werner von Siemens (1816-1892)

Werner von Siemens

 

 

 

„Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht.“[1] Werner von Siemens

Mit "gesundem Egoismus" zu Weltruhm

Werner von Siemens hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Elektrotechnik wichtige Impulsegegeben und schon früh soziales Engagement mit seiner erfolgreichen Geschäftstätigkeit verbunden.


Von Mira M. Hische

Werner von Siemens wurde am 13. Dezember 1816 als Sohn einer Gutspächterfamilie geboren. Nachdem er ohne formalen Abschlussdas Gymnasium verließ, absolvierte er eine dreijährige Ausbildung an der Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin. Dort studierte er Mathematik, Physik und Chemie bis 1835. Da er nach dem Tod seiner Elternfür seine sechs Geschwister sorgen musste, blieb er zunächst im Militärdienst.

1847 konstruierte Werner von Siemens einen Zeigertelegrafen, seine erste bahnbrechende Entwicklung. Am 1. Oktober 1847 gründete er gemeinsam mit dem Mechaniker Johann Georg Halske die „Telegra- phen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ in Berlin. 1848 bauten Siemens & Halske eine über 500 Kilometer lange Telegrafenlinie zwischen Berlin und Frankfurt am Main.

Um sich vollständig dem Unternehmen widmen zu können, verließ Werner von Siemens 1849 schließlich das Militär. Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich die „Telegraphen- Bauanstalt von Siemens & Halske“ zu einem der führenden, international tätigen Elektrounternehmen. Ende 1867 zog sich Johann Georg Halske aus dem Unternehmen zurück. Siemens & Halske wurde zum Familienunternehmen der Siemens-Brüder. Weitere bahnbrechende Erfindungen wie beispielsweise das dynamoelektrische Prinzip und Anwendungsinnovationen im Bereich des elektrischen Stroms, wie die erste elektrische Straßenbeleuchtung, sicherten den Erfolg des Unternehmens. Der Ausdruck „Elektrotechnik“ wurde durch Werner von Siemens geprägt.

Werner von Siemens machte durch seine Unternehmenspolitik schon früh deutlich, dass er sein Unternehmen als Familienunternehmen ansah, dessen Landesgesellschaften von der Berliner Zentrale aus geführt wurden. Neben der Sorge um seine Familie stand für ihn immer auch das Wohl seiner Mitarbeiter im Vordergrund seiner unternehmerischen Aktivitäten. Bereits Mitte der 1850er Jahre zahlte Werner von Siemens seinen Angestellten zusätzlich zum Gehalt erfolgsabhängige Prämien.

Werner von Siemens
Portrait von Giacomo Brogi

 

 

„Mir würde das verdiente Geld wie glühendes Eisen in der Hand brennen, wenn ich den treuen Gehülfen nicht den erwarteten Antheil gäbe.“[2]

Werner von Siemens in einem Brief an seinen Bruder im Jahre 1868.

1866 vergab er erstmals an sämtliche Mitarbeiter Inventurprämien, auf die die heutige Erfolgsbeteiligung von Mitarbeitern zurückzuführen ist.

1872 gründete Werner von Siemens mit einer Pensions-, Witwen- und Waisenkasse die betriebliche Altersvorsorge, lange vor der gesetzlichen Alters- und Hinterbliebenenversorgung. Maxime seines unternehmerischen Handelns war es stets, die Interessen seiner Mitarbeiter mit denen des Unternehmens zu verbinden. Er bezeichnete diese Mischung aus unternehmerischem Kalkül und patriarchalischer Verantwortung als „gesunden Egoismus“.[3] Werner von Siemens erkannte früh, dass die Zufriedenheit und Loyalität seiner Mitarbeiter für seinen unternehmerischen Erfolg eine entscheidende Größe darstellte.

Aber nicht nur für seine Mitarbeiter engagierte sich der Unternehmer; er war auch politisch sowie als Mäzen und Stifter tätig: So unterstützte er die deutsche Revolution 1848/49, setzte sich als Mitglied des Deutschen Nationalvereins für die deutsche Einheit ein, war Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei und wurde 1863 ins Preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis 1866 angehörte.

Daneben unterstützte er die wissenschaftliche Ausbildung und beteiligte sich an der Gründung des Elektronischen Vereins, der Lehrstühle für Elektrotechnik förderte. 1885 richtete er auf einem Werksgelände in Berlin das Forschungsinstitut „Physikalische- Technische Reichsanstalt“ ein. Darüber hinaus verfügte er in seinem Testament über eine Stiftungssumme zur Förderung naturwissenschaftlicher Forschung.

Für seine Verdienste für Wissenschaft und Gesellschaft erhielt Werner von Siemens zahlreiche Auszeichnungen. So wurde er 1888 von Kaiser Friedrich III. in den Adelsstand erhoben.

1890 schied Werner von Siemens offiziell aus dem Unternehmen Siemens & Halske aus, behielt jedoch bis zu seinem Tod bestimmenden Einfluss. Am 6. Dezember 1892 starb Werner von Siemens in Berlin.

Werner von Siemens kann als einer der deutschen Pioniere der Nachhaltigkeit bezeichnet werden: Er verband die internationale Expansionsstrategie seines Unternehmens mit stetiger Investition in Forschung und Entwicklung, ohne dabei die sozialen Belange seiner Mitarbeiter zu vernachlässigen.

Dank

Der Artikel ist Teil der Serie "Pioniere der Nachhaltigkeit" der SAAS News - Sie finden den Artikel neben anderen Neuigkeiten zu Nachhaltigkeitsthemen hier zum Download:

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Wir danken Ernst & Young, den SAAS News und der Autorin Mira M. Hische für die freundliche Genehmigung, den Text hier zu veröffentlichen.

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